Zum Text springen

Teil II · Die Großwetterlage · Kapitel 5

Kapitel 5

Wetterkarten lesen

Sie wissen, was ein Tief ist, wie es sich dreht und was seine Fronten Ihnen bescheren. Dieses Kapitel zeigt Ihnen, wie Sie all das mit einem Blick auf zwei Karten erfassen: auf der Bodenwetterkarte, die die Akteure zeigt, und auf der Höhenwetterkarte in 500 hPa, die sie lenkt. Am Ende stehen eine Methode in fünf Handgriffen und die vier typischen Wetterlagen, die das Wetter der Alpen bestimmen.

24 Min. Lesezeit · 10 Abbildungen · 3 animierte Illustrationen

Das Wichtigste in zwei Minuten

Eine Bodenwetterkarte ist eine IGN-Karte des Luftdrucks, also eine topografische Karte, wie sie das französische Landesvermessungsamt (IGN) herausgibt: Die Isobaren sind Höhenlinien. Liegen sie eng beieinander, zeigen sie ein steiles Gefälle an, also starken Wind; und seit Kapitel 3 wissen Sie, in welcher Richtung die Luft an ihnen entlangströmt. Fügen Sie die Fronten hinzu – Halbkreise für die Warmfront, Dreiecke für die Kaltfront, immer auf der Seite, in die die Front zieht –, und die Karte erzählt Kapitel 4 in einer einzigen Zeichnung: wer kommt, woher und ungefähr um wie viel Uhr.

Doch der Boden zeigt nur die Akteure. Der Regisseur wohnt in etwa 5500 m Höhe, auf der „500-hPa“-Karte: ein Fluss aus Westwind, der sich in Mäandern um den Globus schlängelt. Jede Ausbuchtung nach Süden, der Trog, bringt kalte Luft und vertieft die Tiefs unmittelbar auf seiner Vorderseite; jede Ausbuchtung nach Norden, der Rücken, bringt schönes Wetter. Manchmal löst sich eine Kaltluftblase ab und irrt allein umher: der Kaltlufttropfen, Spezialist für unvorhergesehene Gewitter bei harmlos wirkendem Barometer.

Der Kunstgriff der Profis besteht darin, die beiden Stockwerke übereinanderzulegen. Ein Hoch, das von einem Höhenrücken gestützt wird, bedeutet solides schönes Wetter; dasselbe Hoch, das von der Vorderseite eines Trogs eingeholt wird, ist schönes Wetter mit Ablaufdatum. Fünf Handgriffe, zehn Minuten, ein geschriebener Satz: Damit haben Sie Ihre Tendenz für 48 Stunden, und Sie wissen, wann Sie den Wettersymbolen nicht trauen dürfen. Schließlich kehren vier Lagen immer wieder – Westströmung, Bise, Südströmung mit Föhn, flache Druckverteilung –, und jede hat ihre bekannten Folgen am Startplatz und auf dem Weg.

Wie es weitergeht

Das ganze Kapitel steht Abonnenten offen, mit seinen animierten Abbildungen: 3 € im Monat oder 25 € im Jahr. Das Buch als ePub für 6,99 € enthält einen Monat Abonnement. Inhalt:

  1. 5.1Die Bodenwetterkarte: eine topografische Karte des Luftdrucks
  2. 5.2Die Frontensymbole
  3. 5.3Die Formen im Druckrelief
  4. 5.4Eine vollständige Karte lesen
  5. 5.5Die Höhe: die 500-hPa-Karte
  6. 5.6Tröge, Rücken, Kaltlufttropfen
  7. 5.7Die beiden Stockwerke zum Sprechen bringen
  8. 5.8Die Temperaturkarten: T850, Schichtdicke, T500
  9. 5.9Wo man die Karten findet
  10. 5.10Die Methode in fünf Handgriffen
  11. 5.11Typische Wetterlagen in Frankreich und in den Alpen
  12. 5.12Größenordnungen

Das Buch kaufen Abonnieren

Schon Abonnent? Melden Sie sich an: Der Link bringt Sie hierher zurück.

Fachbegriffe des Kapitels#

Isobare
Linie, die Punkte gleichen, auf Meereshöhe reduzierten Luftdrucks verbindet. Der Wind folgt ihr, mit dem tiefen Druck zur Linken; liegen Isobaren eng, zeigen sie starken Wind an.
Geopotential
Höhe in Metern oder Dekametern, in der man einen bestimmten Druck antrifft (zum Beispiel 500 hPa). Hoch: warme Luft; niedrig: kalte Luft.
Isohypse
Linie gleichen Geopotentials auf einer Höhenwetterkarte. Man liest sie wie eine Isobare: Der Höhenwind folgt ihr, mit den niedrigen Werten zur Linken.
Trog
Am Boden: V-förmiges Tal tiefen Drucks. In der Höhe: Welle der Strömung nach Süden, kalte Luft. Seine Vorderseite (Ostseite) vertieft die Bodentiefs.
Rücken
Am Boden: U-förmiger Kamm hohen Drucks (Hochdruckkeil). In der Höhe: Welle nach Norden, warme Luft, Absinken; schönes Wetter, Hitzewelle, wenn er sich festsetzt.
Kaltlufttropfen
Von der Hauptströmung abgelöste Kaltluftblase in der Höhe, die sich um sich selbst dreht und langsam und unberechenbar zieht. Verstreute Gewitter, unzuverlässige Vorhersagen, kaum Signatur am Boden.
Frontolyse, Frontogenese
Abschwächung bzw. Verstärkung einer Front. Eine Front in Frontolyse kommt oft „leer“ an: ein Schleier ohne Regen.
ANASYG, PRESYG
Grafische synoptische Analyse und Vorhersage von Météo-France: erweiterte Frontenkarten (Aktivität, Strahlströme, Gebiete mit signifikantem Wetter).
Flache Druckverteilung
Ausgedehntes Gebiet mit fast einheitlichem Druck: kein synoptischer Wind, die thermischen Winde bestimmen, im Sommer Wärmegewitter möglich.
Retour d’Est
Feuchte Ostströmung, die ein Mittelmeertief (Golf von Genua) gegen die französisch-italienische Grenze schiebt: Wolken und Niederschlag stauen sich an den Grenzkämmen, weiter westlich ist es schön. Für den zugehörigen Ostwind spricht man auch von „Lombarde“.
T850, T500
Temperatur in 850 hPa (in etwa 1500 m) und in 500 hPa (in etwa 5500 m). Die erste beschreibt die Luftmasse und liefert die Nullgradgrenze; ihre Differenz gibt Auskunft über die Labilität.